Offener Brief von Fahmüller an Gesundheitsminister Spahn

Landrat Michael Fahmüller schlägt Alarm.
In einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Spahn fordert er Impfgerechtigkeit auch für den Landkreis Rottal Inn!

Rottal Inn liegt bei der Impfquote gut 4% hinter Bayern und 3% hinter dem Bundesdurchschnitt.
Und das obwohl die Inzidenzen hier von Anfang an höher waren und der Lockdown bereits länger dauert.
Auch bei einer Sonderlieferung für Grenzlandkreise ging Rottal Inn leer aus, obwohl man eine Grenze zu Österreich hat.
Über 5000 zusätzliche Impfdosen sind nötig um auf den Bayerndurchschnitt zu kommen.
Michael Fahmüller fordert von Jens Spahn, dass diese Ungerechtigkeit schnellstmöglich ausgeglichen wird.

Hier ist der offene Brief zum Nachlesen:

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

ich wende mich, auch im Namen der Bürgerinnen und Bürger des Landkreises, mit einem dringenden Appell zum Thema Gerechtigkeit bei der Impfstoffverteilung an Sie.

Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht ausgestanden und wir alle wissen, dass eine Rückkehr zur Normalität nur durch eine rasche Immunisierung der Bevölkerung durch Impfung möglich ist.

Der Landkreis Rottal-Inn im Südosten Bayerns ist seit jeher einer der am meisten von der Coronakrise betroffenen Landkreise Bayerns und sogar Deutschlands. Wir waren mehrfach die „Nummer eins“ bei den Inzidenzwerten in Bayern und sogar im bundesweiten Vergleich zeitweise an der Spitze, weswegen wir Ende letzten Jahres beispielsweise gemeinsam mit Berchtesgaden als erstes wieder in einen Lockdown eingetreten sind – mit allen daraus resultierenden negativen Konsequenzen für unsere Bürgerinnen und Bürger und insbesondere für unsere regionale Wirtschaft.

Dank der herausragenden Arbeit meiner Mitarbeiter ist es uns trotz allem gelungen, die Kontaktverfolgung stets – auch bei hohen Inzidenzwerten – aufrecht zu erhalten. Dies ermöglichte es uns zu jeder Zeit, auch sehr hohe Inzidenzwerte in einem relativ kurzen Zeitraum wieder nach unten zu bringen.

Wesentlich schlechter sieht es leider bei der Impfquote im Landkreis aus – ärgerlicherweise aus Gründen, die wir aus eigener Kraft nicht beeinflussen können.

Denn zum einen wurden wir, im Gegensatz zu unseren Nachbarkreisen, kaum mit Sonderlieferungen an Impfstoff bedacht. Obgleich deutschlandweit bekannt ist, dass unser Landkreis stark mit der Pandemie zu kämpfen hat, zählte zum Zeitpunkt der Verteilung von Sonderzuweisungen nur der aktuelle Inzidenzwert – und genau zu diesem Zeitpunkt hatten wir gerade eine vergleichsweise niedrige Inzidenz – was sich jedoch schon wenige Tage später wieder änderte.

Dies bedeutet: Als unser Inzidenzwert hoch war, kam kein zusätzlicher Impfstoff an und nachdem er gesunken war, bekamen wir genau aus diesem Grund keinen zusätzlichen Impfstoff. Die Folge: Kurze Zeit später schoss der Inzidenzwert wieder nach oben und ist bis heute hoch. Wir hinken nicht nur bei der Impfquote hinterher, sondern auch unsere Geschäfte und Restaurants können im Gegensatz zu anderen Landkreisen weiterhin nicht öffnen, obgleich sie durch den frühen Lockdown ohnehin besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Im Sinne der Gleichbehandlung und der Impfgerechtigkeit kann diese Momentaufnahme des Inzidenzwertes nicht als einziges Kriterium gelten! Hier muss dringend Abhilfe geschaffen und die bei der damaligen Verteilung benachteiligten Landkreise mit nachträglichen Sonderlieferungen bedacht werden!

Zum anderen ist die geringe Ärztedichte hier im ländlichen Raum ein großes Problem was die Zuteilung von Impfstoffen angeht.
Unsere Ärzte im Landkreis engagieren sich vorbildlich für eine schnelle Impfung der Bevölkerung – wofür ich diesen sehr dankbar bin.
Doch ein Vergleich der Impfquote im bundesweiten Durchschnitt zeigt, dass insbesondere mit der Freigabe von Impfungen bei Ärzten die Schere aufgrund der vergleichsweise geringen Ärztedichte im Landkreis weit aufgegangen ist und Rottal-Inn ein Stück weit abgehängt wurde.
Das extrem Ärgerliche daran ist, dass wir in dem von uns errichteten und mit Hilfe des Bayerischen Roten Kreuzes betriebenen Impfzentrums ausreichend Kapazitäten hätten, viel mehr Menschen zu impfen – allein der Impfstoff fehlt.

Die Forderung des Deutschen Landkreistages, in Gegenden mit geringer Ärztedichte nun den Impfstoff in die Zuständigkeit der Impfzentren zu geben, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch wird auch diese Maßnahme uns nicht ermöglichen, den bereits verursachten Abstand bei der Impfquote aufzuholen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

der Bundesdurchschnitt der Impfquote beträgt (Stand 19. Mai 2021) 38,2 %. Der Landkreis Rottal-Inn hinkt mit 34,7 % (ca. 42.000 Erstgeimpfte bei über 121.000 Einwohnern) hier stark hinterher, obwohl wir alle Voraussetzungen dafür geschaffen haben, merklich mehr Menschen in einem deutlich kürzeren Zeitraum zu impfen. Doch alleine um auf den Bundesdurchschnitt aufzuholen, bräuchten wir mehr als 4.100 zusätzliche Impfdosen, um den Bayerischen Schnitt von 39,2 % zu erreichen sogar mehr als 5.300 zusätzliche Dosen.

Diese Situation ist für uns untragbar. Es ist unseren Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr zu vermitteln, dass ausgerechnet der von Pandemie und Lockdown besonders betroffene Landkreis Rottal-Inn bei der Impfstoffzuweisung grundsätzlich benachteiligt wird.

Aus diesem Grund fordere ich Sie nachdrücklich auf, uns zusätzlichen Impfstoff zur Verfügung zu stellen, um die in der Vergangenheit entstandenen Impflücken aufzufüllen. Nur so kann es uns gelingen, auch im ländlichen Raum eine zufriedenstellende Durchimpfung der Bevölkerung zu erreichen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister, bitte nehmen Sie sich dieses Problems schnellst-möglich an.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Fahmüller                                                                      
Landrat